Mormonen

"Ohne mich könnt ihr nichts tun"

Posted in der Zehnte
Darf denn der Mensch Gott berauben? Und doch habt ihr mich beraubt. Ihr aber sprecht: Woran haben wir dich beraubt? Am Zehnten und an den Opfergaben.”
Maleachi 3:8 3. Nephi 24:8


1932 erreichte die Weltwirtschaftskrise ihren Höhepunkt. Von zehn Universitätsabsolventen gelang es nur einem, eine Stelle zu bekommen. Zu denen, die solches Glück hatten, gehörte auch ich. Für das achtmonatige Schuljahr bekam ich ein Gehalt von 1140 Dollar. Ich war überglücklich, denn es kam mir wie eine Million vor.
Es war meine erste bezahlte Arbeit, und dank dem Beispiel meiner guten Eltern hatte ich mich entschlossen, den Zehnten von Anfang an voll zu zahlen. Präsident Heber J. Grant hatte mich überzeugt, daß ich es mir nicht leisten könne, den Zehnten nicht ehrlich zu zahlen. Außerdem läßt er sich so leicht ausrechnen: man braucht nur das Komma eine Stelle nach links zu verschieben. Das konnte sogar ich verstehen. Als daher mein erster Scheck ankam, zählte ich 14,25 Dollar ab und brachte das Geld zum Bischof. Das tat ich auch während der nächsten fünf Monate. Dann bekam ich einen Brief von meinem Bruder Mickey, der in Kalifornien auf Mission war. Sinngemäß lautete eine Zeile: „Jeden Morgen schneide ich für jeden Schuh ein Stück Pappe als Einlage aus, damit im Zement von Hollywood nicht meine Fußabdrücke zurückbleiben."
Ich dachte bei mir: „Da setze ich mir nun einen Heiligenschein auf, weil ich den Zehnten voll zahle, und mein Bruder Mickey, der keine Schuhe hat, tut da draußen die Arbeit des Herrn. Das ist nicht richtig. Ich muß die Sache etwas praktischer anfassen.” Und ich tat, was ich für praktisch hielt. Ich teilte meinen Zehnten durch zwei: 7 Dollar für Mickey und 7,25 Dollar für den Herrn.
Das tat ich zwei Monate lang, doch mein Gewissen ließ mich nicht in Ruhe. Schließlich beschloß ich, mir beim Bischof Rat zu holen. Er war ein guter Bekannter von mir, ein zuverlässiger, nüchtern denkender Bergarbeiter. Ich dachte mir: „Er wird die praktische Seite dieser Sache schon verstehen.”
Nachdem ich ihm erklärt hatte, was ich getan hatte, herrschte einen Augenblick Schweigen. Schließlich sagte ich: „Was glauben Sie? Habe ich das Richtige getan?”
„Nun”, antwortete er. „ich glaube, Sie gehen mit dem Geld des Herrn ziemlich großzügig um.” Dann fügte er hinzu: „Wenn Sie Ihrem Bruder helfen wollen, sollten Sie das mit Ihrem Anteil des Geldes tun und nicht mit dem Anteil des Herrn.” Ich war von seiner Antwort überrascht. und seine Weisheit beeindruckte mich.
Als ich im nächsten Monat alle meine Rechnungen zusammenzählte, entdeckte ich, daß mir 6,65 Dollar fehlten, um alles zu bezahlen. Nach einer unruhigen Nacht kam ich zu dem Schluß, daß zuerst der Zehnte kommen müsse. Ich war zuversichtlich, daß meine Wirtin, die gerade außerhalb der Stadt war, mir wegen der 6.65 Dollar. die ich ihr schuldig bleiben würde, bis zum nächsten Zahltag vertrauen würde. Als sie wiederkam, sagte sie, noch ehe ich Zeit hatte, das Thema anzuschneiden: „Sie mußten Ihre Mahlzeiten eine Woche lang selbst zubereiten, deshalb berechne ich Ihnen diesen Monat nur ...” Dann nannte sie den Betrag: 6,65 Dollar weniger, als ich ihr schuldete. Ich kam zu dem Schluß, daß der Herr mir etwas zu sagen versuchte, nämlich daß wir selbst bestimmen, ob sich uns die Schleusen des Himmels öffnen oder nicht. Ich hatte mich nämlich gefragt: „Wie kann der Herr jemand finanziell segnen, der ein festes Einkommen hat — etwa 140 Dollar im Monat?” Damals konnte ich die Antwort nicht sehen, kam aber zu dem Schluß, daß es Sache des Herrn ist, wie er jemand segnet. Meine Sache war nur, daß ich den Zehnten voll und ehrlich zahlte.
Wenn ich jetzt, nach vierzig Jahren. zurückschaue, schüttele ich vor Staunen über die vielen Segnungen, die der Herr auf mich hat herabregnen lassen, den Kopf — Segnungen, die wohl über meine Würdigkeit weit hinausgehen: inneren Frieden. seelisches Wohlergehen, beständige Zuversicht, eine liebevolle Frau und neun Kinder. ein Zuhause, ein Geschäft. das mich fordert, und dazu zahllose andere Segnungen, die für Geld nicht zu haben sind. Was der Herr durch seinen Propheten verheißen hat, ist wahrhaftig wahr: „Bringt den ganzen Zehnten ins Vorratshaus, damit in meinem Haus Nahrung vorhanden ist. Ja, stellt mich auf die Probe damit, spricht der Herr der Heere. und wartet, ob ich euch dann nicht die Schleusen des Himmels öffne und Segen im Übermaß auf euch herabschütte.” (Mal 3:10.)
Mark Hart, Februar 1982

5:37 PM - 28.3.2008


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