Mormonen

„Stellt mich auf die Probe damit”

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Als ich 15 Jahre alt war und wir einmal nach der Priestertumsversammlung der Generalkonferenz auf dem Heimweg waren, hielten wir bei einer Pizzastube an. Im weiteren Verlauf habe ich etwas über den Zehnten gelernt, was ich nie vergessen werde.
Mein Vater, meine zwei Brüder und ich hatten Hunger. Während wir auf unsere Bestellung warteten, sah ich einen meiner Freunde als Kellner arbeiten. Ich fragte ihn, wie er den Job bekommen habe, und er erzählte mir, daß sie noch jemand brauchten. Ein paar Minuten später kam er wieder und sagte mir, der Geschäftsführer wolle sofort mit mir sprechen. Vielleicht lag es daran, daß ich ein anständiges Hemd und eine Krawatte trug: jedenfalls war der Chef anscheinend beeindruckt. Das Gespräch verlief gut. Ich sagte, daß ich sonntags nicht arbeiten wolle, und er sagte, das würde nichts ausmachen – es würden dann genug andere an meiner Stelle arbeiten. Ich wurde eingestellt und sollte anfangen, sobald ich konnte.
Während der nächsten zwei Jahre arbeitete ich mich allmählich zum Pizzabäcker hoch. Als ich eines Abends meine Schicht begann, bemerkte ich, daß einer der für mich bestimmten Tage auf dem Kalender gestrichen war. Mein Chef sagte mir, wenn ich die reguläre Stundenzahl arbeiten wolle, wäre am Sonntag geöffnet. Ich arbeitete einen Sonntag und fühlte mich deswegen ganz elend, und so lehnte ich es ab, weiterhin am Sonntag zu arbeiten. Die Beziehungen zu meinem Chef begannen sich zu verschlechtern, und ich fing an, mich nach einer anderen Stelle umzusehen.
Interessanterweise war ich zwar bei der Sabbatheiligung ziemlich unnachgiebig, befolgte aber ein anderes Gebot nicht so genau – das Gesetz des Zehnten. Ich zahlte den Zehnten überhaupt nicht, außer wenn meine Eltern mich dazu anhielten. Dann sagte ich immer: „Ja, ja, und steckte in der nächsten Woche etwas in den Umschlag. Ich konnte einfach keinen Sinn darin sehen, ein Zehntel von meinem sauer verdienten Geld wegzugeben.
Ich suchte weiter nach Arbeit, jedoch ohne Erfolg. Ich betete aufrichtig zum Vater im Himmel und vertraute darauf, daß er mir helfen werde, eine Stelle zu finden. Als ich eines Abends wieder betete, kam mir ein Gedanke. Warum sollte mir der Herr helfen, eine andere Stelle zu finden, wenn ich den Zehnten von dem Einkommen aus meiner jetzigen Arbeit nicht bezahlte?
Ich studierte ein paar Schriftstellen:
„Ja, stellt mich auf die Probe damit, spricht der Herr der Heere, und wartet, ob ich euch dann nicht die Schleusen des Himmels öffne und Segen im Übermaß auf euch herabschütte.” (Maleachi 3:10.)
„Ich, der Herr, bin verpflichtet, wenn ihr tut, was ich sage; tut ihr aber nicht, was ich sage, so habt ihr keine Verheißung.” (LuB 82:10.)
Ich beschloß, diesem Gebot zu gehorchen. Ich ging zur Bank und hob von meinem Sparkonto eine hohe Summe ab, um den Zehnten, den ich nicht gezahlt hatte, nachzuzahlen. Ich brachte sie noch am selben Abend zum Bischof nach Hause.
Auf der Suche nach einer besseren Arbeit hatte ich mich bei einer Werkstatt beworben, in der Auspufftöpfe für Autos installiert wurden. Das war im Januar gewesen, und sie hatten gesagt, sie brauchten erst im Dezember wieder jemand. Zwei Tage nachdem ich den Zehnten gezahlt hatte, rief mich jemand aus der Werkstatt an und bot mir an, gleich am nächsten Tag mit der Arbeit anzufangen. Als ich zu meiner Mission abreiste, verdiente ich bereits dreimal soviel wie vorher als Pizzabäcker, und dazu kam noch eine hübsche Provision. So konnte ich die Kosten meiner Mission zur Hälfte selbst bestreiten. Und nachdem ich bereits ein Jahr auf Mission war, rief der Chef der Werkstatt bei meinen Eltern an und fragte, ob er die übrigen Kosten meiner Mission mittragen könne.
Manch einer meint jetzt vielleicht, das sei alles Zufall gewesen. Ich möchte eher sagen, daß ich gesegnet worden bin, weil ich endlich angefangen habe, nach einem Grundsatz des Evangeliums zu leben. Der Zehnte öffnet die Tür zu den Segnungen des Herrn.
Scot R. Meyers, März 1982

12:20 AM - 30.3.2008


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