Mormonen

Das Gesetz des Überflusses

Posted in der Zehnte
Die wahre Prüfung für einen Menschen liegt in seiner Einstellung zum irdischen Besitz
Liebe Brüder und Schwestern, ich betrachte es als Freude und Segen zugleich, in dieser vom Geist erfüllten Konferenz anwesend zu sein. Und ich weiß, daß in den Botschaften, die uns von unseren Führern vermittelt werden, die Antworten auf viele Probleme der heutigen Zeit zu finden sind.
Ungeachtet der bestehenden Schwierigkeiten in der Welt, müssen wir anerkennen, daß wir überreichlich mit den Schätzen der Erde gesegnet sind. Wir wissen jedoch, daß alles, was immer wir besitzen, dem Herrn gehört und daß er uns mit all dem gesegnet hat, um uns zu prüfen, wie wir seine Gaben gebrauchen.
In einem Ausspruch heißt es, daß das Leben die größte Gabe ist, die Gott dem Menschen gegeben hat, und was der Mensch mit diesem Leben tut, das ist die Gabe, die er Gott gibt.
Brigham Young hat, bezugnehmend darauf, daß wir unser Leben zu einer Gabe machen sollen, die wir Gott darbringen, gesagt: „Unsere Religion ist uns alles wert, und deshalb sollen wir bereit sein, unsere Zeit, unsere Fähigkeiten, unsere Mittel, unsere Kraft und unser Leben dafür einzusetzen.”
Weiter hat er gesagt: „Wenn wir rechtschaffen handeln, werden die Fähigkeiten, die Kraft und Intelligenz sowie der irdische Reichtum dieses Volkes von nun an bis in Ewigkeit ständig zunehmen.”
„Keine Segnung, die auf uns gesiegelt ist, wird ein Segen für uns sein, solange wir nicht würdig leben.”
Es ist interessant zu bemerken, daß hier wie auch anderswo in der Schrift denen, die nach dien Grundsätzen des Evangeliums leben, verheißen worden ist, daß sie an irdischen Besitztümern reicher und daß ihre Fähigkeiten wachsen würden. Einhergehend mit diesen Verheißungen sind wir aufgefordert worden, unsere Fähigkeiten und unsern Besitz zum Aufbau des Reiches Gottes zu verwenden. Viele Schriftstellen enthalten aber auch Worte der Ermahnung hinsichtlich der Versuchungen, die den Erwerb und Gebrauch von Reichtum begleiten.
Der große Apostel Paulus schreibt an seinen geliebten Gefährten Timotheus: „Denn Habsucht ist eine Wurzel alles Übels... Den Reichen in dieser Welt gebiete, daß sie nicht stolz seien, auch nicht hoffen auf den ungewissen Reichtum, sondern auf Gott, der uns alles reichlich darbietet, es zu genießen; daß sie Gutes tun, reich werden an guten Werken, gerne geben, behilflich seien (1.Tim. 6:10, 17, 18).”
Durch die Geschichte der Kirche hindurch haben ihre Führer den Wert ehrlicher Arbeit, des Fleißes und der Sparsamkeit gelehrt. Den Mitgliedern der Kirche, die sich an diese Grundsätze gehalten haben, ist die Arbeit auf zahlreichen Gebieten gediehen. Den Mitgliedern ist ebenso geraten worden, wirtschaftliche Unabhängigkeit zu erreichen und sie zu erhalten. Sie sind auch angeregt worden, arbeitsbeschaffende Industrien zu errichten.
Zur Förderung dieser Grundsätze soll jeder, der Vermögen und Mittel besitzt, so leben, daß er Weisheit empfangen kann, damit er weiß, wie er seinen Besitz auf die bestmögliche Weise für sich, für seine Familie, für seine Mitmenschen und für das Reich Gottes nutz- und gewinnbringend verwenden kann.
Ich zitiere wieder Präsident Young: „Wenn die Menschen vorbereitet sind, die Schätze dieser Welt zum Aufbau des Reiches richtig anzuwenden, wird Gott bereit und willig sein, sie ihnen zu geben. Ich sehe es gern, wenn Menschen durch ihren Fleiß, ihre Umsicht, ihre kluge Handlungsweise und Sparsamkeit reich werden und ihren Reichtum dann dem Aufbau des Reiches Gottes auf Erden weihen.”
Andrew Carnegie (amerikanischer Industrieller, 1835-1919) erklärte seine Einstellung zum Reichtum wie folgt: „Es gehört zu den Pflichten des reichen Mannes, ein Vorbild an Bescheidenheit und an einfachem Leben zu sein, er muß Extravaganzen und unnötigen Aufwand vermeiden und den gesetzmäßigen Rechten der von ihm Abhängigen mit dem richtigen Maß nachkommen. Darüber hinaus soll er sich als Treuhänder aller ihm zufließenden überschüssigen Einkünfte betrachten, die zu verwalten er berufen ist, und zwar auf die Art und Weise, daß sie nach seinem Urteilsvermögen das beste Ergebnis zum Wohl der Gemeinschaft erzielen. Der reiche Mann wird daher der bloße Treuhänder und Geschäftsträger für seine ärmeren Brüder sein und steuert zu ihren Diensten und ihrer Arbeitsleistung seine überlegene Weisheit und Erfahrung und seine Fähigkeit zu verwalten bei und handelt so stellvertretend für sie besser, als sie es selbst tun würden oder könnten.”
Mit einer solchen Philosophie gegenüber dem Reichtum mag jemand folgerichtig sagen: „Ich bin soviel wert, wie ich für andere Menschen tue.”
In mancher Hinsicht liegt die wahre Prüfung für einen Menschen in seiner Einstellung zum irdischen Besitz.
In Übereinstimmung mit diesem Gedanken soll es unsere Aufgabe sein, das Reich Gottes aufzubauen. Viele von uns haben bestimmt in einem selbstlosen und edelmütigen Augenblick gesagt: „Wenn ich reich wäre, würde ich eine schöne Kirche bauen, eine Schule für unterprivilegierte Kinder, einem Krankenhaus die Unterstützung zukommen lassen, die es benötigt usw.”
Vielleicht werden nur wenige von uns diesen Reichtum erlangen, der erforderlich ist, einige dieser guten Werke zu tun; dennoch kann jeder von uns, wenn er den Wunsch in sich trägt, sich an solchen hervorragenden Projekten beteiligen, indem er den Zehnten und das Fastopfer zahlt und so seinen Beitrag dazu leistet.
Der Herr hat seinem Volk immer geboten, sich der Bedürftigen zu erinnern und den Zehnten und das Fastopfer zum Aufbau des Reiches Gottes zu zahlen.
Von dieser Evangeliumszeit hat der Herr uns offenbart, daß sie „ein Tag des Opferns und ein Tag für den Zehnten [seines] Volkes (LuB 64:23)” ist. Ich glaube, es soll hervorgehoben werden, daß eine stattliche Anzahl der Mitglieder heute dieser Forderung nachkommt. Andere vernachlässigen aber das Zahlen des Zehnten und des Fastopfers.
Der Herr hat gesagt: „Ist's recht, daß ein Mensch Gott betrügt, wie ihr mich betrügt! Ihr aber sprecht: ,Womit betrügen wir dich?' Mit dem Zehnten und der Opfergabe!
Bringt aber die Zehnten in voller Höhe in mein Vorratshaus ..., und prüft mich hiermit, spricht der Herr Zebaoth, ob ich euch dann nicht des Himmels Fenster auftun werde und Segen herabschütten die Fülle (Mal. 3:8, 10).”
Der Zehnte ist ein heiliger Fonds. Der Herr hat in dieser Evangeliumszeit offenbart, daß der Zehnte von einem Ausschuß verwaltet werden soll, „bestehend aus der Ersten Präsidentschaft [seiner] Kirche, dem Bischof und seinen Räten und [denn] Hohen Rat, und sie sollen von [seiner] Stimme geleitet werden (LuB 120:1)”.
Durch das beschleunigte Wachstum der Kirche auf der ganzen Welt sind mehr und mehr Gebäude und Räumlichkeiten erforderlich — Kirchengebäude, Schulen, Seminargebäude, Tempel, Krankenhäuser, Missionsheime, Besucherzentren und viele andere Gebäude.
Nicht nur die Errichtung dieser neuen Gebäude erfordert eine enorme Summe Geldes, sondern auch der Betrieb und die Instandhaltung dieser Häuser werden zu einer großen finanziellen Belastung.
Die Kirche hat die Aufgabe, für die Befriedigung der geistigen und irdischen Bedürfnisse ihrer Mitglieder zu sorgen, und sie hat eine große Verpflichtung gegenüber den Verstorbenen. Das schließt Programme zur Ausbildung, die Hilfsorganisationen, soziale Hilfe, Genealogie und vieles andere ein. Die Durchführung dieser weltweiten Programme erfordert große finanzielle Unterstützung.
Wir haben über 100 Jahre auf diesen Tag gewartet. Und ich bin sicher, wenn wir die Gebote des Herrn halten, wird er uns den Weg zeigen, wodurch wir diesen finanziellen Verpflichtungen, die durch das Wachstum und die Entwicklung der Kirche entstehen, nachkommen können.
Der Apostel Paulus sagt in dem Brief an die Heiligen in Korinth: „Wer da kärglich sät, der wird auch kärglich ernten; und wer da sät im Segen, der wird auch ernten im Segen.
Ein jeglicher nach dem Willen seines Herzens, nicht mit Unwillen oder aus Zwang; denn einen fröhlichen Geber hat Gott lieb (2. Kor. 9:6, 7).”
Wir sind Treuhänder unseres Besitzes, und zwar zum Wohle aller Kinder Gottes; deshalb müssen wir uns davor hüten, den Reichtum zu vergöttern, sei er nun von großem oder von geringem Wert. Wenn wir uns schuldig gemacht haben, weil wir den Reichtum über alles geliebt haben, dann müssen wir Buße tun und unser Verhältnis zum Geld korrigieren.
Ein Mensch, der die Güter dieser Welt vor die Sache Gottes stellt, beweist geringe Erkenntnis von den ewigen Werten.
Wir sprechen von Opfergaben, um das Reich Gottes aufzubauen; aber dies scheint mir nicht die richtige Bezeichnung. Sich am Aufbau des Reiches Gottes beteiligen zu dürfen ist eine große Gnade und ein großer Segen.
Unlängst habe ich ein schönes, kleines Gotteshaus eingeweiht. Man hat mir erzählt, daß der Bischof, um den Anteil der Gemeinde an den Baukosten aufzubringen, alle Mitglieder gebeten hatte, die Weihnachtsgeschenke auf kleine Kinder zu beschränken und das ersparte Geld für den Baufonds zu spenden. Die Reaktion der Mitglieder war beispielhaft. Sie betrachteten dies als eine Möglichkeit, Segnungen zu empfangen, anstatt als Opfer. Beim Weihungsgottesdienst gaben viele davon Zeugnis.
Solange jemand mit dem Herrn ehrlich ist, spielt die Höhe des gespendeten Betrages keine Rolle. Das Scherflein der Witwe oder eines kleinen Kindes ist genauso wichtig und anerkennenswert wie die Spende des reichen Mannes. Wenn Männer, Frauen und Kinder ehrlich mit Gott sind und den Zehnten und andere Spenden zahlen, wird ihnen der Herr Weisheit schenken, wodurch sie mit dem Übriggebliebenen viel mehr machen können, als sie tun könnten, wenn sie dem Herrn gegenüber nicht ehrlich gewesen wären. Sie werden auf verschiedenste Weise mannigfach gesegnet werden: in geistiger, gesundheitlicher und auch in materieller Hinsicht. Ich bezeuge Ihnen daß dies wahr ist; und ich bin sicher, daß viele von Ihnen solch ein Zeugnis in sich tragen.
Erinnern Sie sich an die Worte des Herrn, als er gesagt hat: „Geben ist seliger als nehmen(Apg. 20:35).”
Wofür ist aller Besitz da? Um Gutes zu tun! Deshalb laßt uns unsere Mittel dem Aufbau des Reiches Gottes weihen. Laßt uns heute den Entschluß fassen, beim Zahlen des Zehnten und der anderen Spenden dem Herrn gegenüber ehrlich zu sein.
Ich weiß, daß Gott da ist und daß Jesus der Christus ist, unser aller Erretter und Erlöser, und dies ist weit wichtiger als irdischer Reichtum.
Ich weiß, daß das Evangelium in seiner Fülle in dieser Evangeliumszeit durch Joseph Smith wiederhergestellt worden ist und daß es heute an der Spitze der Kirche einen lebenden Propheten gibt — Präsident Joseph Fielding Smith. Diese Gewißheit ist ebenfalls mehr wert als irgendein irdischer Besitz.
Das Zeugnis allein wird uns jedoch nicht erlösen, sondern nur das Halten der Gebote Gottes, d. h. so zu leben wie ein wahrer Heiliger der Letzten Tage. Es ist dann auch noch, wichtig, den sehnlichen Wunsch in sich zu tragen, nach dem Evangelium zu leben, es vollständig anzuerkennen und seine erlösende Kraft zu empfangen.
Aus diesem Grunde laßt uns mit den Mitteln, die Gott uns gegeben hat, großherzig sein, um das Leben anderer zu bereichern, die in einer weniger glücklichen Lage sind als wir — laßt uns das Reich Gottes aufbauen, auf daß wir unser Leben zu einer Gabe machen, die wir Gott darbringen. Dies bitte ich im Namen Jesu Christi. Amen.
FRANKLIN D. RICHARDS März 1972

5:27 PM - 18.5.2008


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