| Mormonen |
Bruder Cuencas GlaubeNach einer Zonenkonferenz fuhren mein Mitarbeiter und ich durch die Stadt zu unserer kleinen Wohnung im Zentrum von Fresno in Kalifornien. um uns auf unsere Termine am Nachmittag vorzubereiten. Es war der 16. Dezember. und ich wollte einer an der Kirche interessierten Familie bis Weihnachten etwas Besonderes schenken: die Taufe. Wir knieten auf dem bloßen, kalten Fußboden nieder und riefen den Herrn um Führung an. Am Nachmittag fuhren wir in ein kleines mexikanisches Viertel im Osten der Stadt. um die Cuencas zu besuchen, eine 15köpfige Familie, die wir kürzlich kennengelernt hatten, als wir von Tür zu Tür gingen. Die Kinder begrüßten uns überschwenglich und zerrten uns am Mantel. Wir schüttelten ein halbes Dutzendmal 13 kleine Hände, bevor wir mit der Diskussion anfangen konnten Während mein Mitarbeiter in gebrochenem Spanisch mit der Unterweisung begann. bemerkte ich. wie bescheiden das Zuhause der Cuencas war. Das Zimmer stand leer. abgesehen von dem Sofa und einigen zerbrochenen Stühlen aus der Küche – und 15 gespannt lauschenden Zuhörern. Ich fing an, sie zu belehren, und wurde durch den Geist dazu bewegt, sie zur Taufe aufzufordern. Sie willigten ein. Geistig gesehen waren die Cuencas reich, materiell dagegen arm. Bruder Cuenca hatte eine Arbeitsstelle. wo er 2,80 Dollar pro Stunde verdiente. Er sagte uns. wenn seine Familie etwas zu essen habe. würden sie es aufessen. aber gewöhnlich fasteten sie. Trotzdem wurde den Missionaren bei den Cuencas immer etwas zu essen angeboten. denn für diese waren die Missionare „Engel vom Himmel”. Ich kam mir nicht sehr engelhaft vor, wenn ich die hungrigen braunen Augen um die Ecken und durch die Türen lugen sah, während ich ihre karge Mahlzeit aufaß. Ich wußte, es war ein Opfer für sie, uns dieses dürftige Mahl zu reichen. Ich flehte den Herrn an, er möge die Cuencas mit dem Glauben segnen, die Gebote so anzunehmen, wie wir sie lehrten. In meinem Kleinglauben meinte ich. sie könnten das Gesetz des Zehnten unmöglich annehmen. Wir lehrten die Familie weiter, und zwangsläufig kam der Zeitpunkt. wo es das Gesetz des Zehnten zu lehren galt. Als mein Mitarbeiter die Diskussion begann. hat ich still den Herrn um Hilfe. Mein Glaube schwankte noch, während wir sie belehrten. Ohne zu zögern gelobten sie. dies zu befolgen – ebenso wie alle übrigen Gebote. die wir sie gelehrt hatten. Gelassenheit und Frieden überkamen mich und ich schämte mich. als ich mich an die Worte des Erretters erinnerte: ,.Ihr Kleingläubigen!" (Mt 6:30.) Die Familie wurde getauft. Zu Weihnachten hatten sie nichts zu verschenken außer ihrer Liebe und sich selbst. Mit Liedern. Tänzen und Erzählungen brachten sie uns ihre Kultur nahe. Wir schenkten ihnen Spielsachen und Lebensmittel. Dann sprach Bruder Cuenca für uns alle ein Weihnachtsgebet. Später an diesem Abend dachte ich darüber nach, daß dieses Weihnachten im Vergleich zu allen anderen bisher das schönste gewesen war. Die Cuencas hatten alles gegeben, was sie hatten: ihre Liebe. Bald war es Januar. und meine Mission war fast zu Ende. Ich wurde gebeten, für die Spanisch sprechenden Mitglieder. die in der Fast- und Zeugnisversammlung sprechen wollten, zu dolmetschen. In meinem Hals bildete sich ein Kloß. als ich sah, daß Bruder Cuenca nach vorn kam, um zu sprechen. Groß und Stolz so stand er am Pult. Er begann zu sprechen. und plötzlich fühlte ich, wie mir die Tränen die Wangen hinabkollerten. Er sagte: „Ich danke dem Herrn, daß er mir die Missionare geschickt hat. Seit wir getauft worden sind und den Zehnten zahlen, haben wir immer genug zu essen. Manchmal weiß ich nicht einmal, wo es herkommt.” Meine Mission ist nun vorbei. Aber ich werde nie die bescheidene Familie in einem unbedeutenden mexikanischen Viertel vergessen, wo mich der Herr in Glauben, Gehorsam und Segnungen unterwiesen hat. Fred R Gladden jun., Nov 1981 3:15 AM - 16.2.2008
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